Über die Studie


HintergrundStand der ForschungStudienzielStudiendesignVier-Säulen-ModellStudienleitung

Hintergrundinformationen

Cannabis ist das in der Schweiz am häufigsten konsumierte verbotene Betäubungsmittel. Im Jahr 2015 gaben 37,1% der Männer und 25.8% der Frauen über 14 Jahren an, mindestens einmal in ihrem Leben Cannabis konsumiert zu haben (Suchtmonitoring Schweiz, Bundesamt für Statistik 2016). In der Gruppe der 20- bis 24-Jährigen konsumierten in den letzten 12 Monaten 22,3% der Befragten Cannabis, 9,3% davon mindestens einmal während der vergangenen 30 Tage.

Eine Entkriminalisierung des Cannabiskonsums wird nicht nur in der Schweiz seit Jahren diskutiert. Uruguay war das erste Land, das die Substanz Ende 2013 legalisierte (Jacobi & Sovinsky 2015). In den USA wurde Cannabis im Jahr 2012 in den Staaten Colorado und Washington legalisiert, 2014 in Oregon und Alaska und 2016 in Kalifornien, Nevada und Massachusetts. Kanada plant die Legalisierung und Regulierung von Cannabis für das Jahr 2018.

Basierend auf parlamentarischen Vorstössen in mehreren Städten, wurde in der Schweiz die Diskussion zur Regulierung von Cannabis in den letzten Jahren neu lanciert. Es bildete sich eine Arbeitsgruppe, in welcher die Städte Bern, Biel, Genf, Luzern, Thun, Winterthur und Zürich und die Stadtkantone Basel und Genf mit verschiedenen Fachleuten vertreten sind. Sie erhielt den Auftrag, Pilotprojekte zum regulierten Cannabisverkauf zu erarbeiten.

Worum geht es in der SCRIPT Studie?

Stand der Forschung

Derzeit existieren bereits einige wissenschaftliche Untersuchungen zu den Auswirkungen von reguliertem Cannabisverkauf. Die Aussagekraft der bisherigen ausländischen Studien ist jedoch aufgrund methodischer Mängel begrenzt. Insbesondere fehlen umfassende Studien, die untersuchen, wie sich ein legaler Verkauf von Cannabis auf das Verhalten und die Gesundheit der Konsumentinnen und Konsumenten sowie auf gesellschaftliche und wirtschaftliche Aspekte auswirkt. Darüber hinaus liegen keine Untersuchungen zu den Auswirkungen für die Schweiz vor. Die Übertragbarkeit allfälliger ausländischer Studien auf hiesige Verhältnisse ist begrenzt. Diese Lücke möchten wir mit diesem interdisziplinären Projekt schliessen.

Studienziel

Ziel des Projekts ist es, die Auswirkungen eines regulierten Cannabisverkaufs durch Berner Apotheken zu untersuchen. Aktuell ist geplant, dass Cannabis-Konsumierende mit Wohnsitz in der Stadt Bern (müssen Als WochenaufenthalterIn gemeldet sein), an der Studie teilnehmen können. Die Städte Zürich, Luzern und Köniz haben jedoch bereits ebenfalls Interesse an einer Teilnahme bekundet, sodass eine Ausweitung der Studie in Betracht gezogen wird.

Studiendesign

In einer ersten Phase wird eine randomisiert-kontrollierte Studie durchgeführt. Sie hat das Ziel, die gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen des Cannabiskonsums in zwei verschiedenen Gruppen zu vergleichen. Eine Gruppe kann von Beginn weg Cannabis in Apotheken kaufen, die andere Gruppe kann dies in den ersten 6 Monaten noch nicht. Im Anschluss an die randomisierte Studie erhalten alle Studienteilnehmenden die Möglichkeit, für mindestens 12 und maximal 30 Monate Cannabis in der Apotheke zu erwerben. Diese zweite Phase erlaubt uns, die sich hieraus ergebenden gesellschaftlichen Auswirkungen auf die Stadt vor und nach dem bewilligten Verkauf zu vergleichen. Alle Studienteinnehmenden werden bei Studieneinschluss und danach alle 3 Monate an einer anonymisierten online-Befragung teilnehmen. Um diese quantitative Datenerhebung (basierend auf Fragebogen) zu ergänzen, werden zusätzlich qualitative Interviews durchgeführt (mit offen gestellten Fragen). Wir gehen bei dieser Studie davon aus, dass kontinuierliche neue Teilnehmede gewonnen werden können. Insgesamt ist eine Studiendauer von 30 Monaten geplant.

Das vorgeschlagene Studiendesign ist neuartig und innovativ, da es:

  1. eine aktuelle gesellschaftliche Fragestellung aufgreift
  2. zum Ziel hat wissenschaftliche Fakten über die Auswirkungen eines regulierten Verkaufs von Cannabis zu erhalten
  3. hierfür ein bewährtes methodisches Vorgehen wählt (ein randomisiert-kontrolliertes Studiendesign)
  4. die Durchführung unabhängig von politischer Einflussnahme ermöglicht
  5. interdisziplinär angelegt und mit anderen laufenden und geplanten Projekten koordiniert ist
  6. nach grösstmöglicher Transparenz strebt, wobei die Öffentlichkeit laufend über die Studie informiert wird

Vier-Säulen-Modell der Schweizer Suchtpolitik

Das vorgeschlagene Studiendesign orientiert sich an den vier Säulen der Schweizer Drogenpolitik:

  1. Prävention: Cannabiskonsumierende können durch den bewilligten Verkauf direkt angesprochen werden. Teil des Versuchs ist die Sensibilisierung für die Risiken des Konsums und die verbindliche Teilnahme an einer Präventionsmassnahme
  2. Therapie: Bei problematischem Konsum kann der Kontakt mit einer Suchtberatungsstelle hergestellt werden, um die Konsumentin bzw. den Konsumenten für eine Therapie oder Behandlung zu gewinnen.
  3. Schadensminderung: Die Qualität des Produktes und der Gehalt an Tetrahydrocannabinol (THC) können durch den bewilligten Cannabisverkauf kontrolliert und überwacht werden. Die Distanzierung zum illegalen Drogenmilieu mit dem breiten Angebot an illegalen Drogen kann als weiterer positiver Aspekt gewertet werden.
  4. Repression und Regulierung: Nur erwachsene Cannabiskonsumierende werden Zugang zum regulierten Verkauf haben. Die Weitergabe des Produktes wie auch der Konsum ausserhalb von privaten Räumlichkeiten bleibt verboten.

Studienleitung und Studienorganisation

Das Projekt wird von der Clinical Trials Unit (CTU) Bern, eine Abteilung der medizinischen Fakultät der Universität Bern, geleitet. Leiter ist PD Dr. med. Sven Trelle. Die CTU ist der Sponsor der klinischen Studie. Professor Matthias Egger vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin (ISPM) der Universität Bern fungiert als wissenschaftlicher Leiter. Professor Reto Auer vom Berner Institut für Hausarztmedizin (BIHAM) ist verantwortlich für die medizinische Begleitung der Studie. Die Präventionsmassnahme wird durch das Institut für Psychologie der Universität unter der Leitung von Professor Hansjörg Znoj erarbeitet und betreut.